3 Gründe, warum es egal ist, was in den facebook AGBs steht

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Digital Footprint

Da war er wieder – der 2-3 mal jährliche Aufschrei der Online-Gemeinde über die AGBs eines Sozialen Netzwerks. Nicht irgendeines Sozialen Netzwerks: DES Sozialen Netzwerks.

Facebook hatte seine “Allgemeinen Nutzungsbedingungen” wieder einmal überarbeitet und ich stolperte unvermeidbar über den diesbezüglichen Artikel der ORF futurezone (es gab bestimmt noch weitere).

Kurz darauf überschlugen sich Kritiker und Kalmierer und warfen sich gegenseitig vor, den falschen Umgang mit der nackten Tatsache der Änderung zu pflegen (erfrischend dabei lediglich jene facebook (sic!) Posts, die dazu aufforderten, irgendetwas auf das persönliche Profil zu stellen, um dadurch den neuen AGBs zu widersprechen; mein unerreichter Favorit dabei: das Einhorn – ich bin sicher, auch dazu gibt’s ein paar “Gläubige”).

Letztendlich bleibt jedoch ohnehin von solchem Aufruhr nichts übrig – und das ist auch gut so. Weil es nämlich vollkommen wurscht ist, was in den facebook AGBs steht. Und zwar aus folgenden simplen Gründen:

1. Die Welt ist Werbung!

So ist das nun mal. Was immer wir tun (falsch: was immer wir schon immer taten) wurde und wird dazu benutzt, dass Unternehmen versuchen, uns zu sagen, was wir in Zukunft tun, kaufen, benutzen, buchen, … leben sollen. Schauen Sie sich einfach nur die Evolution von Werbung (vom Plakat, über die Radio-Information, zum Fernsehspot, zwei-, drei-, viermal pro Tag, vor und nach Sendungen, inmitten des Films, nun vor dem youtube-Video, … usw.) an: Unternehmen und Medien versuchen, in gegenseitigem Kreativwettlauf an immer noch mehr Möglichkeiten zu kommen, uns mit ihrer “Information” zu überschütten. Neuerdings bekomme ich vor jedem youtube-Video den Spot eines SharePoint Migrationstools zu sehen (womit habe ich mich wohl in letzter Zeit online beschäftigt).

Und ehrlich gestanden frage ich mich: Was ist so falsch daran? Wenn ich ein Hotelzimmer in Madrid buchen möchte, besuche ich mal kurz booking.com, suche ausgiebig danach und warte dann, bis mir booking.com was günstiges vorschlägt. War ich dann dort und es war gut, schreib ich mir die eMail-Adresse auf und booking.com sieht mich für diese Stadt nie wieder. Werbung kann so einfach ausgeblendet und gleichzeitig zielführend genutzt werden. Daher ist allein dieser Grund genug, die facebook AGB Änderung zu ignorieren, wenn es – wie die futurezone einleitend feststellt – doch nur darum geht, zielgerichtetere Werbung zu ermöglichen.

2. Welches Recht zählt wirklich?

Schon mal genauer in die AGBs reingeschaut? Hier nochmal der Link dazu. Wenn man nach dem Gerichtsstand sucht, findet man da:

“You will resolve any claim, cause of action or dispute (claim) you have with us arising out of or relating to this Statement or Facebook exclusively in the U.S. District Court for the Northern District of California or a state court located in San Mateo County, and you agree to submit to the personal jurisdiction of such courts for the purpose of litigating all such claims. The laws of the State of California will govern this Statement, as well as any claim that might arise between you and us, without regard to conflict of law provisions.”

Na dann! Auf in die Staaten. Gehen wir uns beschweren, was uns facebook da antut.

Verstehen Sie mich richtig, bitte: Die Sammelklage des österr. Jusstudenten, Max Schrems, beispielsweise finde ich im Grunde richtig und sogar notwendig. Leider gerät der ursprünglich auslösende Moment für dieses Vorgehen ein wenig in Vergessenheit: Begonnen hatte dieser Fall ja mit dem Versuch, alle gesammelten Daten von facebook zu erhalten; ich halte es für ein Grundrecht jedes Menschen auf dieser Welt, detailliert erfahren zu können, was wo über einen selbst gespeichert ist (vgl. auch meine Transparenz-Forderung im “Citizenfour”-Artikel).

Ich halte es natürlich auch für ein Grundrecht, selbst entscheiden zu können, welche persönlichen Daten verwendet werden – und genau deshalb sind die AGBs von facebook genau genommen Makulatur, denn (last not least):

3. Ich entscheide selbst, was ich wie nutze!

facebook zwingt mich in keiner Weise, facebook zu nutzen. facebook zwingt mich nicht einmal, facebook auf eine bestimmte Art und Weise zu nutzen. facebook bietet mir Möglichkeiten. Möglichkeiten zur Kommunikation, zur Information, … ja: zu Eigenwerbung. Ich kann das Medium ja auch selbst dazu nutzen, für etwas, das mir ein Anliegen ist, Werbung zu machen. Das geht so weit, dass ich gegen Einwurf kleiner Münzen die Datenmaschine “facebook” selbst für meine Zwecke gebrauchen kann: Zielgerichtet wird facebook dann meine Statusmeldungen und Seiten-Aktualisierungen in den “Newsfeed” meiner Freunde platzieren, um sie auf mein Anliegen aufmerksam zu machen. Perfekt. Genau so wünsche ich mir das.

Wenn ich bestimmte Informationen sehen möchte, werde ich bestimmte Dinge, Themen, Inhalte, Schlüsselwörter im Netz publizieren. Wenn ich für ein bestimmtes Thema nicht gefunden oder damit identifiziert werden möchte, werde ich zu diesem Thema einfach die Klappe halten.

Der Punkt ist doch der:

Unser unbändiges Mitteilungsbedürfnis und unsere unbändige Neugierde spielen uns bei der Nutzung von Online-Medien einen bösen Streich: Denn heutige Technologien ermöglichen halt einfach ein Mehr an Zielgenauigkeit, als es der guten alten Fernsehwerbung im spannendsten Moment des Hauptabendfilms möglich war – sie erlauben es dem Informationsanbieter einfach, seine Information exakter passend zu platzieren.

Das Argument einiger lautstarker Kritiker der neuen facebook-AGBs, man könne sich der Nutzung von facebook ja heutzutage gar nicht mehr entziehen, ist schlichter, wenig differenzierender Blödsinn. Es mag stimmen, dass Schulen, Vereine und andere menschliche “Netzwerke” das Medium “facebook” als einzige Kommunikations-Plattform nutzen und man daher zur Teilnahme an dieser Kommunikation an einem facebook-Benutzerprofil nicht vorbei kommt. Die Inhalte dieses Profils – allerdings – bestimme ich dann selbst. Und ich kann die Inhalte durchaus auf den Zweck meines Dabei-Seins beschränken.

Und abgesehen davon: Suchen Sie auch machmal im Internet nach Dingen, Themen, Inhalten oder bestimmten Schlüsselwörtern? Und was zeigt die Suchmaschine ihrer Wahl dann gleich zu oberst an?

Es ist halt einfach zu einfach, die Verantwortung für meine eigenen Handlungen (Mitteilungen, Suchanfragen, Bilder oder Videos, …) den AGBs eines Unternehmens zu übertragen, das sich die hochgradig effektive Nutzung dieser meiner “Handlungen” zum eigenen Geschäftszweck gemacht hat.

 

{feature image “Digital Footprint” via Flickr/Creative Commons}

2 comments

  1. Averell

    Hallo thom,
    ich muss dir da leider in ein paar Punkten widersprechen.
    Auch ich nutze Facebook und gebe dort bewusst Informationen über mich preis. Ich bin auch vollkommen einverstanden damit, dass Facebook diese Informationen zu Optimierung seiner Werbung nützt. Womit ich aber nicht einverstanden bin ist der Umstand, dass Facebook ohne mein bewusstes Zutun noch an tausend anderen Stellen Informationen über mich sammelt, und alle diese Informationen dann miteinander verbindet und daraus ein Profil von mir ableitet, dass bereits jetzt gegen meinen Willen verkauft wird, und zu meinem Nachteil eingesetzt wird. Gerade dein Beispiel mit booking.com ist ziemlich schlecht gewählt. Es ist nämlich nachweislich bereits so, dass die Ergebnisse, die solche Seiten für dich bringen exakt auf dich abgestimmt sind, und zwar ohne dass du dort dein Profil oder auch nur einen Teil davon bekannt gibst. Alleine was du mittels deiner cookies und crosssite scripts, deiner sessions und ip-adresse, und sonstiger Profilinformationen, die dein Browser mitschickt, bekannt gibst, reicht völlig für die Identifikation von dir. Dank des Profils, die diese Datensammler (gilt auch für Google, etc.) von dir bilden, kriegst du dann Angebote die dir nicht nur gefallen werden, sondern auch auf deinen Bedarf und deine Möglichkeiten angepasst sind. Bist du z.B. einer jener Kollegen, die in Deutschland arbeiten, und jeden Montag hin und am Donnerstag oder Freitag wieder retour fliegen, dann zahlst du mittlerweile häufig mehr als alle anderen, denn deine Profildaten geben preis, dass du das Ticket zum Leben brauchst. Beim Hotel ist es ähnlich. Wenn das Buchungssystem weiß, dass du ein Hotel brauchst, in dem Kinder gerne gesehen werden, dann wird dir an erster Stelle ein solches Zimmer wunderschön angepriesen, und gleichzeitig mit allen anderen Zimmern, die diesem Profil entsprechen, um 20% preislich nach oben geschraubt. Schlechter betuchte Menschen kriegen nur noch Billigstangebote, damit sie überhaupt was kaufen.
    Gegen diese Profilbildung verwehre ich mich! Und dagegen richtet sich auch die jetzige Klage von Max Schrems. Die alte Geschichte ist schon ausgefochten.
    Es ist daher leider nicht so, dass du (bewußt) entscheidest, was du nutzt. Uns als Technikern ist vielleicht mehr bewusst, als dem Otto Normalverbraucher. Aber selbst mir gelingt es nicht alle Gegenmaßnahmen überhaupt zu überdenken.
    Es ist daher dringend notwendig in der Community etwas dagegen zu tun, wie mit unseren Daten umgegangen wird. Gerade um jenen Menschen zu helfen, die naiv genug sind auf Facebook einen Widerruf zu posten …

    1. smileit.at Post author

      Was du anführst, ist mir durchaus bewusst. Und gerade deshalb sind diese Beispiele gut gewählt, meine ich. Ganz bewusst lasse ich den Schluss zu, dass erst durch die Verknüpfung der Daten die Profilbildung für Werbeträger effektiv wird. Ich weiß das und bin der Meinung, dass das lediglich ein weiterer Grund ist, warum es in Wahrheit egal ist, was genau in den AGBs dazu abgeändert wird – denn es gibt ja auch noch die 100++ anderen AGBs, die zwecks effektiven Schutzes – wohl meist durch Nichtnutzung oder Nutzungsreduktion – bekämpft werden müssten.

      Mein Punkt ist auch nicht, dass es OK ist, wie mit unseren Daten umgegangen wird! Mein Punkt, dass es ein Fakt ist, dem ich mich bei einer Nutzung des Internet im Generellen auf eine Art und Weise, die mir Mehrwert bringt, nicht mehr entziehen kann. Und mein Punkt ist weiters, dass nur die kollektive Forderung nach völliger Transparenz über Speicherung und Nutzung der Daten dem Einzelnen wieder substantielle Entscheidungsfreiheit und Entscheidungsbewusstsein geben kann. Andernfalls bleibt die einzige Widerstandsmethode die Nicht-Nutzung – und das halte ich für wenig sinnvoll.

      P.S.: JA – wir Techniker tun uns hier leichter als “Otto-Normalverbraucher”. Korrekt. Aber auch jenem würde ein mehr an Transparenz und otto-normalverbraucher-verständlicher, umfassender Information mehr helfen als ein Kampf gegen oder Kritisieren von AGBs eines international operierenden Social Media Giganten mit Sitz im Land des Patriot Act.

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