Innovationskraft ist nicht das Problem!

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Und so ist dies hier also mein erster österreichischer (vulgo: deutschsprachiger) Blogbeitrag. Garnicht so einfach, stelle ich gerade fest, wenn man es gewohnt ist, “English” zu schreiben … Und warum das Ganze? Weil diese Methode – “Arse First”, Greg Ferro’s Heransgehen an das Bloggen einfach immer noch funktioniert.

Bleibt die simple Frage:

Was war es diesmal

…, das mich dazu veranlasst hat, etwas zu schreiben?

Vergangene Woche besuchte ich das Pioneers Festival in der Wiener Hofburg: Eine Manifestation der Innovationskraft in der IT, ein Fingerzeig in die Richtung, in der sich die IT – nicht nur in diesem Lande, der Region oder Europa schlechthin – sondern einfach überhaupt hinbewegt. Eine grandiose Veranstaltung, die sogar einen nicht unbedingt genuinen Gründer wie mich (so, von der prinzipiellen Art her) motiviert. Ganz einfach durch den “Spirit”, der zwei Tage lang durch die altehrwürdigen Hallen der Hofburg wehte …

Und dann, am Abend des zweiten Tages, ergab es sich, dass ich wieder einmal Zeit fand, eine der regelmäßigen – durchaus guten – Veranstaltungen der APA EBC (eBusiness Community) zu besuchen. Ein Impulsvortrg mit Podiumsdiskussion zum Thema “Das neue Maschinenzeitalter: Wie die Automatisierung die Arbeitswelt verändert“. Peter Brandl (evolaris) sprach den Vortrag, der sich im wesentlichen mit Industrie 4.0 und IoT beschäftigte (der Mann hatte Gartner gründlich studiert und die wichtigsten Entwicklungen durchaus gut und launig zusammengesfasst). Vertreter von IBM, Kapsch und der TU Wien diskutierten danach mit ihm die brennenden Fragen rund um das Thema des Veranstaltungstitels, von welchen die heißeste offenbar jene nach dem möglichen Verlust von Arbeitsplätzen durch die nahen IT-technischen Zukunftsentwicklungen zu sein schien (Zusammenfassung gefällig?)

Während Andreas Kugi (TU) noch einige Male einbrachte, dass die innovativen und umwälzenden Entwicklungen der nächsten Jahre vor allem einer reformierten Art der Ausbildung bedürfen, hatten die übrigen Gesprächspartner offensichtliche Mühe, sich von Gemeinplätzen wegzubewegen. Warum? Weil ein Thema in der gesamten Diskussion – auch bei den Wortmeldungen aus dem Publikum (deren aus Zeitgründen überhaupt nur 3 zugelassen werden konnten) – völlig unter den Tisch fiel: Der Einfluss der Legislative an der Weiterentwicklung der IT in unserem und den übrigen Europäischen Ländern!

Letztendlich ist die Sachlage in unseren Breitengraden relativ simpel: Es gibt

3 einfache Punkte

für das Scheitern des Digitalzeitalters (neudeutsch: “Digital Business”) in unseren Landen:

  1. Während andernorts längst außer Diskussion steht, dass die Verbindung und nahtlose technologisierte Kommunikation von Menschen, Unternehmungen und Dingen Einzug in unseren täglichen (nein: nicht nur den Arbeits-)Alltag halten wird, war jene oben zitierte Diskussion über weite Strecken noch von der Frage geprägt, in welchem Ausmaß uns diese disruptiven Veränderungen treffen werden. Voll und ganz werden sie es – das ist relativ einfach vorherzusagen.
  2. Am – ebenfalls oben bereits erwähnten – Pioneers Festival meinte der Amerikanische Venture Capitalist Erik Bovee (http://speedinvest.com/ – Wien, Silicon Valley) wörtlich: “Venture Capitalists hassen Österreichisches Recht und Deutsche Besprechungsprotokolle”. Was als launige Bemerkung in einer einstündigen Präsentation zu StartUp-Tips gedacht war, zeigt eines schon sehr deutlich: StartUps und junge Unternehmer, die ihre Ideen vor allem mit den neuen Möglichkeiten der IT-Veränderungen unseres Zeitalters umzusetzen wissen, siedeln sich eher in Ländern an, die ihnen unterstützend unter die Arme greifen, als in solchen, die durch ihre Gesetzgebung oder regulative Kraft die Entwicklung und den Höhenflug einer brillanten Idee zu stoppen wissen.
  3. Eine weitere viel zu schwergewichtig in der genannten APA Podiumsdiskussion erwähnte Fragestellung war jene der Privatsphäre. O-Ton: “Natürlich ist es erforderlich, sich im Zuge des Platz-Greifens all dieser Industrie 4.0 und IoT-Technologien über den Umgang mit sensiblen Daten klar zu werden und dafür geeignete Maßnahmen zu ergreifen.” (eine Ebene, die übrigens bereits vor 6 Jahren in der damals hierzulande beginnenden Cloud-Diskussion immer wieder erklommen wurde – wohl um sich um die konkreten Cloud Computing Fakten herumzuschummeln – siehe auch diesen Blogbeitrag zum Thema). Die Frage nach den Chancen wird also offensichtlich wenn dann erst nach sorgsamer Betrachtung, Beantwortung und Regulierung möglicher Risiken in Augenschein genommen.

Ich glaube, wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass die Weiterentwicklung von allem, was auf Basis von Cloud Computing in unsere alltägliche Lebenswelt Einzug gehalten hat – mobile Verfügbarkeit, der Einsatz sozialer Netzwerke für alles mögliche, Datananalyse in Echtzeit, inklusive entsprechender Schlussfolgerungen, die Verknüpfung von Informationen von uns, unserem Verhalten, den Dingen, mit welchen wir interagieren, … – nicht aufzuhalten ist. Wir sollten uns auch darüber im Klaren sein, dass diese Weiterentwicklung eine Unmenge an Chancen mit sich bringt, unser Leben – bei entsprechend weisem, bewussten Umgang damit – in jeder Hinsicht zu bereichern. Und wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass da draußen irgendwo eine schier unglaubliche Anzahl an intelligenten, kreativen Menschen herumläuft (über 3.000 alleine am Pioneers Festival), die mit täglich neuen Ideen diese Weiterentwicklung aufgreifen, in Lösungen integrieren und vorantreiben.

Und wenn wir uns hinter Regularien und Gesetzen verstecken, die zu unserem angeblichen Schutz verankert werden – nun: Dann werden diese Menschen eben wo anders hingehen, um ihre Ideen zu verwirklichen. In der Tat: Das “Internet der Dinge”, intelligente Maschinen und Industrie 4.0 wird Arbeitsplätze lediglich verändern, nicht vernichten – in diesem Punkt stimme ich den Diskussionsteilnehmern der APA EBC Veranstaltung unbedingt zu. Vernichtet werden Arbeitsplätze in unserem Lande dadurch, dass den Möglichkeiten durch die Weiterentwicklung von Technologien und innovativen Ansätzen nicht genügend Platz, Raum und Recht gegeben wird.

In Österreich war Innovationskraft noch nie das eigentliche Problem! Das Problem war meist, dass sie nur in anderen Ländern wirklich Nutzen-schaffend ausgelebt werden konnte. Es wäre an der Zeit, das zu ändern. Dringend!

 

Update: Link zur Keynote von Peter Brandl

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